Es gibt wohl kaum etwas, das einen Tierhalter so aus der Bahn werfen kann wie die Nachricht, dass mit dem eigenen Tier etwas nicht stimmt. Manchmal beginnt alles ganz plötzlich nach einem Unfall oder einer akuten Erkrankung, manchmal schleicht sich die Veränderung langsam in den Alltag, bis irgendwann der Moment kommt, an dem wir spüren, dass etwas anders ist als sonst. Ab diesem Augenblick verändert sich häufig nicht nur das Leben unseres Tieres, sondern auch unser eigenes. Die Gedanken kreisen fast ununterbrochen um Untersuchungen, Medikamente, Blutwerte und Tierarzttermine, und selbst dann, wenn wir eigentlich schlafen sollten, läuft im Kopf ein Film ab, den wir am liebsten sofort wieder anhalten würden.

Wer diese Situation schon einmal erlebt hat, weiß, wie schnell sich der Alltag verändern kann. Auf einmal richtet sich der Blick auf Dinge, die vorher völlig selbstverständlich waren. Hat mein Hund heute genauso viel gefressen wie gestern? Trinkt meine Katze genug? Schläft sie mehr als sonst? Ist dieser Blick normal oder bilde ich mir das nur ein? Aus kleinen Beobachtungen werden große Sorgen, aus einer kurzen Unsicherheit entstehen innerhalb weniger Minuten Gedanken, die uns bis tief in die Nacht begleiten können.

Ich glaube, dass viele Menschen in dieser Zeit gar nicht nur unter der Krankheit ihres Tieres leiden. Sie leiden vor allem unter der eigenen Hilflosigkeit. Wir würden alles dafür geben, unserem Hund oder unserer Katze die Schmerzen abzunehmen. Wir würden mit ihnen tauschen, wenn wir könnten, und wir würden jede Entscheidung der Welt treffen, wenn wir dadurch noch ein paar gesunde Jahre schenken könnten. Gleichzeitig wissen wir, dass wir genau das nicht können. Wir können begleiten, versorgen, Entscheidungen treffen und lieben. Den Weg selbst können wir unserem Tier jedoch nicht abnehmen. Genau zwischen diesen beiden Polen entsteht häufig eine Angst, die sich tief im Körper festsetzt und die viele Menschen Tag und Nacht begleitet.

Ich kenne diese Gefühle nicht nur aus meiner Arbeit mit Mensch-Tier-Teams, sondern auch aus meinem eigenen Leben. Ende Januar stürzte meine Katze Minnie vom Bücherregal und zeigte unmittelbar danach massive neurologische Ausfälle. Nach einigen Minuten schien sich alles wieder zu beruhigen und ich hoffte, dass wir einfach nur mit einem riesigen Schrecken davongekommen waren. Doch als ich sie am nächsten Morgen streicheln wollte und die Ausfälle zurückkehrten, war mir sofort klar, dass etwas nicht stimmte. Ich fuhr sofort mit ihr zunächst zu meinem Haustierarzt und anschließend in die Tierklinik. Dort wurde strenge Boxenruhe angeordnet. Als Minnie aber weder Urin noch Kot absetzen konnte und zusätzlich ihr Köpfchen nicht aufhörte zu zittern, fuhren wir erneut notfallmäßig in die Tierklinik. Dieses Wochenende werde ich vermutlich nie vergessen.

Natürlich habe ich in dieser Zeit funktioniert. Ich habe mit Tierärzten gesprochen, Medikamente gegeben, beobachtet und versucht, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig war ich einfach nur müde, erschöpft und voller Angst. Ich bin nachts immer wieder aufgestanden, um nach Minnie zu sehen, und war bei jedem kleinen Geräusch sofort wach. Rückblickend glaube ich, dass ich in diesen Tagen kaum wirklich geschlafen habe, weil ein Teil von mir ständig auf Alarmbereitschaft war.

Erst viele Wochen später, Mitte April, als Minnie ihren Napf wieder mit dem Appetit leer fraß, den ich so vermisst hatte, und schließlich auch wieder ihre berühmten fünf Minuten bekam und mit voller Energie durchs Haus flitzte, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass wir wirklich auf einem guten Weg sind. Bis dahin hatte sich mein Leben fast ausschließlich um Sorgen, Hoffnung und die Frage gedreht, wie es weitergehen würde.

Rückblickend hat mich diese Zeit etwas gelehrt, das ich vorher zwar theoretisch wusste, aber erst durch diese Erfahrung wirklich verstanden habe. Die Krankheit eines Tieres betrifft nie nur das Tier selbst. Sie betrifft immer auch den Menschen an seiner Seite. Wir machen uns Sorgen, wir zweifeln an unseren Entscheidungen, wir suchen nach Informationen und versuchen alles richtig zu machen. Gleichzeitig verlieren wir uns dabei manchmal so sehr in den Gedanken an morgen, dass wir den heutigen Tag kaum noch wahrnehmen können.

Genau deshalb möchte ich diesen Artikel schreiben. Nicht, weil ich ein Patentrezept gegen Angst hätte oder weil ich glaube, dass sich schwere Situationen mit ein paar gut gemeinten Ratschlägen lösen lassen. Ich schreibe ihn, weil ich weiß, wie sich diese Hilflosigkeit anfühlt und weil ich in den vergangenen Jahren sowohl in meiner eigenen Geschichte als auch in der Begleitung vieler Mensch-Tier-Teams erlebt habe, dass es Dinge gibt, die diese Zeit ein wenig leichter machen können. Sie verändern weder eine Diagnose noch den Krankheitsverlauf. Aber sie können dabei helfen, zwischendurch wieder Boden unter den Füßen zu spüren und den Blick immer wieder auf das zu richten, was gerade jetzt noch da ist.

Warum die Angst uns manchmal mehr Kraft raubt als die Krankheit selbst

Wenn ein Tier schwer krank wird, beginnt für viele Menschen ein innerer Ausnahmezustand. Der Kopf versucht ununterbrochen, die Kontrolle zurückzugewinnen, und genau das führt häufig dazu, dass wir kaum noch zur Ruhe kommen. Wir analysieren jede Kleinigkeit, vergleichen den heutigen Tag mit dem gestrigen und überlegen, ob diese kleine Veränderung vielleicht etwas zu bedeuten hat. Aus einer Beobachtung wird eine Vermutung, aus einer Vermutung eine Sorge und aus einer Sorge entsteht innerhalb kürzester Zeit ein komplettes Zukunftsszenario.

Unser Gehirn macht das nicht, um uns zu ärgern. Es versucht vielmehr, uns zu schützen. Es möchte vorbereitet sein auf alles, was kommen könnte, und sucht deshalb permanent nach möglichen Gefahren. Das Problem ist nur, dass wir dadurch häufig nicht mehr im Hier und Jetzt leben, sondern in einer Zukunft, die es vielleicht niemals geben wird. Während unser Tier gerade schläft oder friedlich neben uns liegt, sind wir gedanklich längst bei der nächsten Untersuchung, der nächsten Blutkontrolle oder bei einer Entscheidung, die wir hoffentlich noch lange nicht treffen müssen.

Genau das kostet unglaublich viel Kraft. Nicht die fünf Minuten beim Tierarzt, nicht das Medikamentengeben oder die Fahrt in die Klinik, sondern dieses ununterbrochene innere Gedankenkarussell, das sich Tag und Nacht weiterdreht. Es sorgt dafür, dass wir schlecht schlafen, kaum noch abschalten können und selbst in den Momenten, in denen eigentlich gerade nichts passiert, innerlich unter Strom stehen.

Mir ging es mit Minnie ganz genauso. Ich habe sie beobachtet, auf ihre Atmung geachtet, auf jede kleine Bewegung geschaut und gleichzeitig versucht, möglichst ruhig zu bleiben. Heute weiß ich, dass ich einen Großteil meiner Energie nicht für die tatsächliche Situation verbraucht habe, sondern für all die Möglichkeiten, die mein Kopf sich ausgemalt hat. Und genau deshalb glaube ich inzwischen, dass wir in einer solchen Zeit nicht nur unser Tier begleiten müssen, sondern auch uns selbst.

1. Höre auf, gegen Deine Angst zu kämpfen

Wenn wir Angst haben, möchten wir dieses Gefühl möglichst schnell wieder loswerden. Wir versuchen, uns abzulenken, uns zusammenzureißen oder uns einzureden, dass schon alles gut werden wird. Manche Menschen stürzen sich in die Recherche und lesen stundenlang Fachartikel oder Erfahrungsberichte im Internet. Andere versuchen, sich möglichst nichts anmerken zu lassen, weil sie glauben, stark sein zu müssen. Hinter all diesen Strategien steckt derselbe Wunsch: Die Angst soll verschwinden.

Ich habe in den Wochen mit Minnie irgendwann gemerkt, dass genau dieser Kampf unglaublich viel Kraft kostet. Ich wollte vernünftig bleiben, ruhig bleiben und möglichst klar denken können. Gleichzeitig hatte ich Angst, sie zu verlieren. Diese beiden Gefühle standen ständig nebeneinander und ich hatte das Gefühl, mich für eine Seite entscheiden zu müssen. Entweder stark sein oder traurig sein. Entweder funktionieren oder weinen. Heute glaube ich, dass genau dieser Gedanke mich zusätzlich belastet hat.

Angst ist zunächst einmal nichts anderes als die Reaktion eines Menschen, dem etwas sehr wichtig ist. Niemand macht sich solche Sorgen um ein Tier, zu dem keine tiefe Verbindung besteht. Gerade weil unsere Tiere Familienmitglieder sind, trifft uns ihre Krankheit oft bis ins Mark. Wir leiden mit ihnen, wir möchten ihnen helfen und wir wünschen uns nichts sehnlicher, als dass sie gesund werden. Dass daraus Angst entsteht, ist nicht ungewöhnlich. Es wäre wahrscheinlich eher ungewöhnlich, wenn sie nicht da wäre.

Mir hat damals ein Gedanke sehr geholfen. Ich habe mir immer wieder gesagt, dass meine Angst nichts über die Zukunft aussagt. Sie sagt nur etwas darüber aus, wie sehr ich Minnie liebe. Ob sie wieder gesund wird, wusste ich in diesem Moment nicht. Aber ich wusste, dass ich alles tun würde, was in meiner Macht steht. Mehr konnte ich nicht tun und mehr konnte auch niemand von mir erwarten.

Seitdem sehe ich Angst ein wenig anders. Ich versuche nicht mehr, sie sofort loszuwerden. Ich nehme sie wahr, ich akzeptiere, dass sie gerade da ist, und ich lasse sie ein Stück mitgehen, ohne dass sie jede Entscheidung und jeden Gedanken bestimmen darf. Das gelingt nicht immer und an manchen Tagen überhaupt nicht. Aber schon allein die Erlaubnis, Angst haben zu dürfen, hat etwas in mir verändert. Ich musste nicht mehr gegen mich selbst kämpfen und genau dadurch wurde manches leichter.

Vielleicht besteht eine der größten Herausforderungen in einer solchen Zeit gar nicht darin, besonders tapfer zu sein, sondern ehrlich mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Wir dürfen traurig sein, erschöpft sein oder auch einmal wütend auf das Leben sein. All diese Gefühle gehören zu einer Situation, die niemand freiwillig erleben möchte. Sie machen uns nicht schwach, sondern sie zeigen, wie eng die Verbindung zu unserem Tier ist.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir uns völlig von unseren Sorgen mitreißen lassen sollten. Wenn die Angst unser ganzes Leben bestimmt, wenn wir kaum noch schlafen, nicht mehr essen oder nur noch funktionieren, dann verliert sie ihr natürliches Maß. Genau deshalb braucht unser Nervensystem zwischendurch kleine Momente, in denen es wieder zur Ruhe kommen darf. Nicht, weil die Krankheit dadurch verschwindet, sondern weil wir selbst Kraft brauchen für das, was vielleicht noch vor uns liegt.

2. Bring Dein Gedankenkarussell immer wieder zum Stillstand

Unser Gehirn ist ein erstaunliches Organ. Es versucht ständig, Zusammenhänge zu erkennen und Lösungen zu finden. In vielen Situationen ist das eine große Stärke. Wenn es aber um ein schwer krankes Tier geht, kann genau diese Fähigkeit dazu führen, dass wir uns immer tiefer in unseren Sorgen verlieren.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit Minnie auf dem Sofa saß und eigentlich nur einen ruhigen Moment mit ihr verbringen wollte. Statt einfach ihre Nähe zu genießen, beobachtete ich jede Bewegung. Ich achtete darauf, wie sie atmete, ob sie anders schaute als sonst oder ob sie vielleicht ein wenig ruhiger war als am Vortag. Kaum war ein Gedanke da, folgte schon der nächste. Vielleicht frisst sie morgen weniger. Vielleicht verschlechtert sich ihr Zustand wieder. Vielleicht habe ich doch etwas übersehen. Innerhalb weniger Minuten war ich gedanklich ganz weit weg von dem Augenblick, in dem wir beide gerade zusammen waren.

Ich glaube, viele Menschen kennen genau dieses Gefühl. Der Körper sitzt neben dem Tier, der Kopf ist längst in einer Zukunft angekommen, die es vielleicht niemals geben wird. Genau deshalb halte ich es für so wichtig, dem eigenen Nervensystem immer wieder kleine Pausen zu schenken. Nicht erst dann, wenn wir völlig erschöpft sind, sondern immer wieder zwischendurch.

Mir persönlich hilft dabei das Fingerströmen aus dem Jin Shin Jyutsu. Wenn die Gedanken anfangen, sich im Kreis zu drehen, halte ich für einige Minuten meinen Zeigefinger mit der anderen Hand und konzentriere mich auf meinen Atem. Mehr mache ich nicht. Ich versuche nicht, besonders ruhig zu werden, ich möchte nichts erzwingen und ich erwarte auch kein Wunder. Ich sitze einfach da und lasse meine Hände ihre Arbeit machen.

Die Situation verändert sich dadurch natürlich nicht. Minnie war deshalb nicht plötzlich gesund und auch meine Sorgen waren nicht verschwunden. Was sich aber verändert hat, war mein innerer Zustand. Mein Atem wurde ruhiger, meine Gedanken wurden langsamer und ich hatte das Gefühl, wieder etwas mehr im Hier und Jetzt anzukommen. Manchmal reichen schon wenige Minuten aus, um den Blick wieder klarer werden zu lassen.

Falls Du Jin Shin Jyutsu noch nicht kennst, möchte ich Dich ermutigen, es einfach einmal auszuprobieren. Es kostet nichts, es ist überall möglich und Du brauchst dafür nichts weiter als Deine eigenen Hände. Gerade der Zeigefinger wird traditionell mit Sorgen und Ängsten in Verbindung gebracht. Vielleicht spürst Du sofort eine Veränderung, vielleicht erst nach einigen Tagen. Entscheidend ist nicht, ob es perfekt funktioniert. Entscheidend ist, dass Du Dir selbst immer wieder einen kleinen Anker schenkst, an dem Du Dich festhalten kannst, wenn die Gedanken beginnen, Dich mitzureißen.

3. Vergiss vor lauter Angst nicht die gemeinsame Zeit

Wenn ein Tier schwer krank ist, verändert sich häufig auch unser Blick auf die gemeinsame Zeit. Plötzlich scheint jeder Tag eine besondere Bedeutung zu haben und viele Menschen setzen sich selbst unter Druck, möglichst alles richtig zu machen. Sie möchten keine falsche Entscheidung treffen, keine Untersuchung versäumen, kein Medikament vergessen und jeden gemeinsamen Augenblick bewusst erleben. Hinter all diesen Gedanken steckt etwas sehr Schönes, nämlich die Liebe zum eigenen Tier. Gleichzeitig entsteht dadurch aber oft ein Druck, der uns genau das nimmt, was wir eigentlich bewahren möchten.

Während der Zeit mit Minnie habe ich irgendwann gemerkt, dass ich innerlich schon ganz weit voraus war. Ich stellte mir Fragen, auf die niemand eine Antwort hatte, und malte mir Situationen aus, die vielleicht niemals eintreten würden. Dabei lag Minnie oft einfach nur ruhig in ihrem Korb und war ganz im Hier und Jetzt. Rückblickend glaube ich, dass Tiere uns in solchen Momenten etwas voraus haben. Sie beschäftigen sich nicht mit der Frage, was in drei Wochen sein könnte. Sie erleben den Augenblick, so wie er gerade ist.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir unsere Sorgen einfach abschalten können. Das wäre unrealistisch. Aber wir können uns immer wieder bewusst daran erinnern, dass unser Tier heute noch bei uns ist. Dass wir es streicheln können, dass wir seine Nähe spüren dürfen und dass wir diesen Tag miteinander verbringen dürfen, auch wenn wir nicht wissen, was morgen sein wird.

Mir hat damals geholfen, meinen Blick immer wieder bewusst von der Zukunft zurück in die Gegenwart zu lenken. Ich habe mich neben Minnie gesetzt, ihr Köpfchen gestreichelt oder einfach nur beobachtet, wie sie schlief. In diesen Momenten habe ich versucht, nicht darüber nachzudenken, was vielleicht irgendwann einmal sein könnte, sondern einfach wahrzunehmen, dass sie jetzt gerade da war. Diese Augenblicke waren oft viel heilsamer als jede stundenlange Internetrecherche.

Eine Übung, die ich vielen Menschen ans Herz lege und die ich selbst als sehr wertvoll empfinde, ist das Schreiben eines Briefes an das eigene Tier. Nicht, weil man sich bereits verabschieden möchte oder weil man damit das Schlimmste erwartet, sondern weil Schreiben dabei helfen kann, den Blick wieder auf die Beziehung zu richten, statt ausschließlich auf die Krankheit.

In einem solchen Brief darf alles stehen, was im Herzen ist. Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, Erinnerungen an besondere Erlebnisse oder auch die Angst vor dem, was vielleicht kommen könnte. Es geht nicht darum, besonders schöne Worte zu finden oder literarisch zu schreiben. Es geht darum, den Gedanken Raum zu geben, die uns oft Tag und Nacht begleiten und die wir viel zu selten laut aussprechen.

Ich glaube, dass wir in solchen Momenten etwas Wichtiges erkennen können. Unser Tier besteht nicht aus seiner Diagnose. Es besteht aus all den gemeinsamen Jahren, aus den kleinen Ritualen im Alltag, aus den Blicken, die wir austauschen, aus dem Schnurren auf dem Sofa oder den Spaziergängen im Wald. Die Krankheit nimmt im Moment sehr viel Raum ein, aber sie ist nicht das, was die Beziehung zwischen Mensch und Tier ausmacht.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Erinnerungen so kraftvoll sein können. Sie holen uns aus der Angst zurück in die Liebe. Sie erinnern uns daran, warum dieses Tier unser Herz berührt hat und warum wir bereit sind, jetzt so viel für es zu tun. Und manchmal reicht schon dieser Perspektivwechsel aus, um für einen Augenblick wieder etwas leichter atmen zu können.

4. Auch Du brauchst in dieser Zeit Fürsorge

Wenn ein Tier schwer krank ist, stellen viele Menschen ihre eigenen Bedürfnisse fast vollständig zurück. Das Frühstück fällt aus, weil morgens noch Medikamente gegeben werden müssen, der Spaziergang wird verschoben, weil man das Tier nicht alleine lassen möchte, und selbst die eigene Erschöpfung wird häufig ignoriert, weil sie im Vergleich zur Situation des Tieres plötzlich unwichtig erscheint. Das ist verständlich und wahrscheinlich würde jeder Tierhalter in einer ähnlichen Situation genauso handeln. Gleichzeitig entsteht dadurch oft ein Zustand, in dem wir Tag für Tag mehr Kraft verlieren, ohne es überhaupt zu bemerken.

Ich habe in den Wochen mit Minnie selbst erlebt, wie schnell sich das einschleichen kann. Meine Gedanken waren fast ausschließlich bei ihr und ich funktionierte einfach nur noch. Rückblickend weiß ich, dass ich mir kaum Pausen erlaubt habe. Ich habe gegessen, wenn ich daran gedacht habe, geschlafen, wenn mein Körper irgendwann nicht mehr konnte, und den größten Teil des Tages damit verbracht, Minnie zu beobachten oder darüber nachzudenken, was ich noch für sie tun könnte.

Dabei hatte ich großes Glück. Mein Freundeskreis war in dieser Zeit für mich da. Eine Freundin hat mich zum Tierarzt und sogar sonntagmorgens früh in die Tierklinik gefahren, andere haben sich immer wieder erkundigt, wie es Minnie geht und wie es mir selbst geht. Diese Nachrichten, Telefonate und kleinen Gesten haben mir unglaublich gutgetan und ich habe einmal mehr gespürt, wie wertvoll ein tragfähiges Netzwerk in schwierigen Zeiten ist.

Trotzdem gab es diese Momente, in denen ich mit meinen Gedanken ganz auf mich selbst zurückgeworfen war. Nachts, wenn alles ruhig wurde und ich wieder einmal aufstand, um nach Minnie zu sehen. Oder tagsüber, wenn ich sie beobachtete und mich fragte, wie es weitergehen würde. Ich gehöre zu den Menschen, die vieles zunächst mit sich selbst ausmachen. Natürlich hätte ich jederzeit zum Telefon greifen können, aber ich wollte meine Sorgen auch nicht ständig bei anderen abladen. Also habe ich vieles mit mir selbst bewegt und versucht, meinen eigenen Weg durch diese Zeit zu finden.

Rückblickend glaube ich, dass genau diese Mischung wichtig war. Die Unterstützung von außen und die kleinen Momente, in denen ich gelernt habe, auch auf mich selbst zu achten. Manchmal war das einfach nur eine Tasse Kaffee in Ruhe, manchmal ein paar Minuten Fingerströmen oder der Duft von Lavendel, der mich seit vielen Jahren begleitet und den ich gerade in stressigen Zeiten als wohltuend empfinde.

Mir ist dabei wichtig zu sagen, dass ätherische Öle keine Krankheit heilen und selbstverständlich auch keinen Tierarzt ersetzen können. Für mich sind sie vielmehr eine Möglichkeit, mein eigenes Nervensystem wieder etwas zur Ruhe kommen zu lassen. Gerade wenn wir mit Katzen zusammenleben, sollten ätherische Öle immer verantwortungsvoll eingesetzt werden und die Tiere jederzeit die Möglichkeit haben, sich einem Duft zu entziehen. Auch das gehört für mich zu einem achtsamen Umgang dazu. Wenn Du Dich dafür interessierst, wie ätherische Öle Mensch und Tier in belastenden Situationen begleiten können, findest Du dazu weitere Informationen hier.

Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, die Angst loszuwerden. Vielleicht geht es vielmehr darum, sich selbst immer wieder kleine Momente zu schenken, in denen der Körper einmal tief durchatmen kann. Denn nur wenn wir auch auf unsere eigenen Kräfte achten, können wir unser Tier über längere Zeit liebevoll begleiten.

5. Dein Tier braucht keine Perfektion. Es braucht Dich.

Wenn ein Tier schwer krank ist, entsteht bei vielen Menschen ein enormer Druck. Sie möchten jede Entscheidung richtig treffen, keine Untersuchung versäumen, jedes Medikament pünktlich geben und möglichst jeden gemeinsamen Augenblick bewusst erleben. Dahinter steckt der verständliche Wunsch, nichts zu bereuen und dem eigenen Tier die bestmögliche Unterstützung zu geben. Gleichzeitig führt genau dieser Anspruch häufig dazu, dass wir ständig das Gefühl haben, noch mehr tun zu müssen.

Ich kenne diese Gedanken nur zu gut. Auch ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich wirklich alles richtig mache, ob ich etwas übersehen habe oder ob ich früher hätte reagieren müssen. Rückblickend weiß ich, dass diese Fragen ganz normal sind. Ich weiß aber auch, wie viel Energie sie kosten und wie schnell sie den Blick auf das verstellen, was gerade tatsächlich da ist.

Unsere Tiere erwarten keine Perfektion von uns. Sie führen keine Liste darüber, ob wir jede Entscheidung fehlerfrei getroffen haben oder ob wir im richtigen Moment das richtige Medikament gegeben haben. Sie erleben uns im Hier und Jetzt. Sie spüren unsere Nähe, unsere Fürsorge und unsere Liebe. Genau deshalb glaube ich, dass wir ihnen in einer solchen Zeit etwas viel Wertvolleres schenken können als Perfektion. Wir können ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind und dass wir ihren Weg mit ihnen gehen, ganz gleich, wohin er führt.

Gerade Menschen, die ihre Tiere sehr lieben, neigen häufig zu Schuldgefühlen. Sie fragen sich, ob sie früher hätten reagieren müssen, ob eine andere Klinik besser gewesen wäre oder ob sie eine Therapie übersehen haben. Diese Gedanken lassen sich oft nicht vollständig vermeiden. Trotzdem wünsche ich jedem Tierhalter, dass er sich immer wieder bewusst macht, dass Entscheidungen fast immer auf der Grundlage des Wissens getroffen werden, das in diesem Moment zur Verfügung steht. Niemand kann in die Zukunft schauen und niemand kann garantieren, immer den perfekten Weg zu finden.

Vielleicht dürfen wir deshalb ein wenig milder mit uns selbst sein. Wir dürfen Fehler machen, wir dürfen erschöpft sein und wir dürfen Angst haben. Entscheidend ist nicht, dass wir alles perfekt machen, sondern dass wir unser Tier mit offenem Herzen begleiten und nach bestem Wissen und Gewissen handeln.

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen

Wenn ich eines aus den vergangenen Jahren gelernt habe, dann dies: Es gibt Situationen im Leben, in denen wir keine schnellen Lösungen brauchen. Was wir brauchen, ist ein Mensch, der zuhört, der unsere Ängste ernst nimmt und der ein Stück des Weges mit uns geht.

Viele Tierhalter fühlen sich mit ihren Sorgen allein, obwohl Familie und Freunde sich große Mühe geben, sie zu unterstützen. Das liegt nicht daran, dass niemand da wäre, sondern daran, dass die Verbindung zwischen Mensch und Tier etwas sehr Eigenes ist. Wer selbst nie so eng mit einem Tier verbunden war, kann oft nur schwer nachvollziehen, wie tief diese Liebe geht und wie groß die Angst werden kann, wenn plötzlich die gemeinsame Zukunft ungewiss erscheint.

Deshalb möchte ich Dir an dieser Stelle Mut machen, Unterstützung anzunehmen, wenn Du sie brauchst. Das kann ein Gespräch mit einer guten Freundin sein, ein Mensch, der Dich zum Tierarzt fährt, jemand, der Dir zuhört, ohne sofort Ratschläge zu geben, oder auch eine professionelle Begleitung. Niemand muss eine solche Zeit alleine bewältigen und niemand wird stärker dadurch, dass er seine Sorgen für sich behält.

In meiner Arbeit begleite ich seit vielen Jahren Mensch-Tier-Teams in schwierigen Lebenssituationen. Ich erlebe immer wieder, wie entlastend es sein kann, wenn Ängste, Trauer und auch Wut ausgesprochen werden dürfen, wenn Fragen Raum bekommen und wenn jemand da ist, der nicht bewertet, sondern einfach mitgeht. Genau darum geht es für mich. Nicht darum, jede Antwort zu kennen, sondern darum, Menschen und ihre Tiere in einer Zeit zu begleiten, in der das Leben plötzlich aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Wie ich Mensch-Tier-Teams in solchen belastenden Lebensphasen über einen längeren Zeitraum begleite, findest Du hier.

Zum Schluss möchte ich Dir noch etwas mitgeben

Wenn ich heute an die Zeit mit Minnie zurückdenke, dann denke ich nicht zuerst an die Tierklinik, an die Medikamente oder an die schlaflosen Nächte. Ich denke an den Tag, an dem sie ihren Napf mit einem Appetit leergefressen hat, den ich so lange vermisst hatte. Und ich denke an den Moment, als sie wenig später wieder ihre berühmten fünf Minuten bekam und mit voller Energie durchs Haus flitzte. Ich stand einfach nur da, habe sie angesehen und gemerkt, wie sich zum ersten Mal seit Wochen etwas in mir entspannte. In diesem Augenblick wusste ich, dass wir auf einem guten Weg waren.

Ich weiß, dass nicht jede Geschichte so endet. Manche Tiere werden wieder gesund, andere begleiten wir bis zu ihrem letzten Atemzug. Darauf haben wir nicht immer Einfluss. Worauf wir aber Einfluss haben, ist die Art und Weise, wie wir diese gemeinsame Zeit gestalten. Ob wir jeden Tag ausschließlich mit Sorgen füllen oder ob wir uns zwischendurch immer wieder erlauben, den Blick auf das zu richten, was trotz aller Angst noch da ist. Auf eine schnurrende Katze auf dem Sofa, auf einen Hund, der seinen Kopf auf unser Bein legt, auf einen ruhigen Spaziergang oder auf einen gemeinsamen Sonnenstrahl im Garten.

Wenn sich abzeichnet, dass ein Tier seinen letzten Weg geht, stehen viele Menschen plötzlich vor Fragen, auf die sie nie vorbereitet wurden. Wie Du Dein Tier in dieser besonderen Zeit liebevoll begleiten kannst und warum Du diesen Weg nicht alleine gehen musst, habe ich in meinem Artikel zur Sterbebegleitung ausführlich beschrieben.

Die Krankheit kann vieles verändern. Sie nimmt uns Sicherheit und sie stellt unser Leben für eine Zeit auf den Kopf. Was sie uns nicht nehmen kann, ist die Verbindung zu unserem Tier. Diese Verbindung zeigt sich nicht erst am Ende eines gemeinsamen Weges. Sie zeigt sich jeden Tag in den kleinen Gesten, mit denen wir füreinander da sind. Und vielleicht ist genau das der Gedanke, der in einer schweren Zeit am meisten trägt.